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Reifenalter und DOT-Nummer bei Lkw-Reifen: Herstellungsdatum lesen, Altersgrenzen kennen, richtig lagern
Das Alter eines Lkw-Reifens verraten vier Ziffern auf der Flanke, meist am Ende der DOT-Nummer: Die ersten beiden nennen die Produktionswoche, die letzten beiden das Jahr, „4521“ heißt also 45. Woche 2021. Ein allgemeines gesetzliches Höchstalter für Lkw-Reifen gibt es in Deutschland nicht; die bekannte Sechs-Jahres-Grenze gilt nur für Anhänger hinter Pkw oder anderen Kraftfahrzeugen bis 3,5 Tonnen mit Tempo-100-Zulassung. Michelin empfiehlt für Lkw-Reifen eine jährliche Fachprüfung ab dem fünften Jahr nach Inbetriebnahme oder acht Jahre nach Herstellung und rät, Reifen ab zehn Jahren nicht mehr auf Lenkachsen zu fahren.
Vier Ziffern, ein Datum: so lesen Sie die DOT-Nummer
Auf der Flanke eines Lkw-Reifens steht eine Menge: Größe, Tragfähigkeit, Geschwindigkeitsindex, Zulassungsnummer. Das Herstellungsdatum folgt meist, aber nicht immer, auf das Kürzel DOT und eine Zeichenfolge des Herstellers. Entscheidend sind die letzten vier Ziffern. Die ersten beiden nennen die Produktionswoche, von 01 bis 53, die letzten beiden das Jahr. Steht dort 4521, wurde der Reifen in der 45. Woche 2021 hergestellt.
Das Kürzel DOT stammt aus den USA. Es bestätigt, dass der Reifen die dortigen Sicherheitsnormen erfüllt, und die US-Vorschrift verlangt die Kennnummer auf einer Flanke. Für die europäische Genehmigung trägt der Reifen eine eigene Kennzeichnung, zum Beispiel „E2“, die Michelin als EWG-Zulassungsnummer bezeichnet. Das Herstellungsdatum schreibt unabhängig davon § 36 Abs. 7 StVZO vor: Reifen für Fahrzeuge mit einer bauartbestimmten Höchstgeschwindigkeit über 40 km/h müssen das Herstellungs- beziehungsweise Reifenerneuerungsdatum tragen.
Das hat praktische Folgen. Weil die Datumskennung oft nur auf einer Seite steht, kann sie beim inneren Reifen einer Zwillingsbereifung zur verdeckten Seite zeigen. Bei runderneuerten Reifen muss der Reifenerneuerer das Datum der Runderneuerung angeben; was das für Karkasse und Einsatz bedeutet, erklärt der Ratgeber zu runderneuerten Lkw-Reifen.
Was das Gesetz sagt: Datum ja, Höchstalter nein
Die StVZO schreibt vor, dass das Datum auf dem Reifen steht, nicht aber, wie alt der Reifen sein darf. Der Bundesverband Reifenhandel und Vulkaniseur-Handwerk (BRV) bringt es auf den Punkt: Eine gesetzliche Grundlage zum Alter von Reifen gibt es nicht, geregelt ist die Mindestprofiltiefe von 1,6 Millimetern. Ein festes Ablaufdatum für Lkw-Reifen existiert damit nicht.
Die bekannte Sechs-Jahres-Grenze stammt aus einer Sonderregel. Die 9. Ausnahmeverordnung zur StVO erlaubt Pkw und anderen mehrspurigen Kraftfahrzeugen bis 3,5 Tonnen mit Anhänger auf Autobahnen und Kraftfahrstraßen 100 statt 80 km/h, wenn das Gespann die Voraussetzungen erfüllt und die Tempo-100-Plakette am Anhänger trägt. Eine Voraussetzung betrifft die Anhängerreifen: Sie müssen zum Zeitpunkt jeder Fahrt, erkennbar am eingeprägten Herstellungsdatum, jünger als sechs Jahre sein und mindestens die Geschwindigkeitskategorie L für 120 km/h tragen.
Für schwere Lkw spielt diese Regel keine Rolle. Für Kraftfahrzeuge über 3,5 Tonnen bleibt es bei der Höchstgeschwindigkeit nach § 18 Abs. 5 StVO, mit oder ohne Anhänger, und die Tempo-100-Ausnahme gilt für sie nicht. Wichtig wird die Sechs-Jahres-Grenze dagegen für Transporter bis 3,5 Tonnen, die mit Tempo-100-Zulassung einen Anhänger ziehen.
Warum Reifen altern, auch wenn sie nur stehen
Ein Reifen besteht aus vielen Materialien und Komponenten, deren Eigenschaften sich mit der Zeit verändern. Wie stark, hängt laut Michelin von den Lagerbedingungen ab, also Temperatur, Feuchtigkeit und Position, und von den Einsatzbedingungen wie Last, Geschwindigkeit, Luftdruck und Zustand der Räder. Diese Alterungsfaktoren sind variabel und schwer zu messen, deshalb empfiehlt Michelin regelmäßige Kontrollen durch Fachleute.
Gegen die Alterung arbeitet die Gummimischung selbst. Reifen enthalten statische und dynamische Alterungsschutzmittel; die statischen bilden an der Oberfläche einen Schutzfilm aus Wachs, der unter anderem die oberflächliche Ozonrissbildung hemmt. Risse in der Flanke sind ein Warnsignal, das ein Fachmann beurteilen sollte.
Beim Lkw kommt die Standzeit hinzu. Für abgestellte Fahrzeuge empfiehlt Michelin, die Reifen auf dem üblichen Fülldruck zu halten, den Druck alle sechs Monate zu prüfen und die Räder alle vier Monate um eine Vierteldrehung weiterzubewegen. Einmal im Jahr sollte das Fahrzeug eine Strecke fahren, bis jede Flachstelle verschwunden ist.
Was Hersteller und Handel empfehlen
Für Lkw- und Busreifen empfiehlt Michelin, die Reifen neben den regelmäßigen Kontrollen durch den Nutzer von qualifizierten Fachleuten prüfen zu lassen, und zwar mindestens jährlich ab dem fünften Jahr nach Inbetriebnahme oder acht Jahre nach dem Herstellungsdatum. Reifen, die zehn Jahre oder älter sind, sollen nach Michelin nicht mehr auf den Lenkachsen von Lkw und Bussen laufen; der Hersteller verweist sie an Anhängerachsen.
Für Neureifen aus dem Lager gibt es eine zweite Messlatte. Nach Angaben der Reifenhersteller, die der BRV zitiert, behalten Reifen bei ordnungsgemäßer und fachgerechter Lagerung bis zu fünf Jahre ihre vollen Gebrauchswerteigenschaften. Verkauf und Montage sind dann technisch unbedenklich, die Nutzungsdauer ist aber begrenzt. Als „fabrikneu“ dürfen Reifen nach der Rechtsposition des BRV höchstens drei Jahre alt sein.
Beim Kauf lohnt deshalb der Blick auf die Datumskennung. Zu Neureifen erhalten Sie bei RuhrTruck den vollständigen Herstellernachweis inklusive DOT-Kennung. Bei Gebrauchtreifen gehört das Reifenalter zu den Prüfkriterien, denn auch bei viel Restprofil altert die Gummimischung.
Richtig lagern: trocken, temperiert, ohne Sonne und fern von Ozon
Wer Reifen auf Vorrat hält, beeinflusst ihre Alterung direkt. Michelin empfiehlt für Lkw- und Busreifen saubere, trockene, temperierte und gut belüftete Räume, geschützt vor direkter Sonne und Witterung. Fernhalten sollte man sie von Wärmequellen, offenen Flammen und Glühlampen, von Ozonquellen und Geräten, die Funken oder elektrische Entladungen erzeugen, etwa Transformatoren, Elektromotoren und Schweißgeräten, sowie von Chemikalien, Lösungsmitteln und Kohlenwasserstoffen.
Auch die Lagerform zählt. Für kurze Zeit, bis zu vier Wochen, dürfen Reifen liegend auf Holzpaletten gestapelt werden, höchstens 1,2 Meter hoch; danach wird der Stapel in umgekehrter Reihenfolge neu aufgebaut. Für die Langzeitlagerung gehören Reifen stehend in einer Lage auf Regale, mindestens zehn Zentimeter über dem Boden, und werden einmal im Monat gedreht, damit sie sich nicht verformen.
Montierte Räder, die eingelagert werden, sollten laut Michelin mit Stickstoff oder möglichst trockener Luft befüllt sein, die Ventilkappe gehört aufgeschraubt. Eingelagerte Reifen, die fünf Jahre alt werden, sollte Fachpersonal auf ihre Eignung für den weiteren Betrieb prüfen, und jeder eingelagerte Reifen gehört vor dem Einsatz noch einmal fachkundig in Augenschein genommen.
- Trocken, temperiert und gut belüftet, ohne direkte Sonne
- Abstand zu Wärmequellen und Ozonquellen wie Elektromotoren und Schweißgeräten
- Fern von Chemikalien, Lösungsmitteln und Kohlenwasserstoffen
- Langzeitlagerung stehend auf Regalen, mindestens 10 cm über dem Boden
Reifenalter im Fuhrpark im Griff behalten
Im Alltag hilft eine einfache Routine: Das Herstellungsdatum wird bei jeder Montage zusammen mit Fahrzeug und Radposition notiert. Dann sieht die Disposition, wann ein Reifen die Schwelle zur jährlichen Fachprüfung erreicht oder für ein Tempo-100-Gespann zu alt wird, ohne an jedem Rad nach der Kennung suchen zu müssen.
Auch die UVV-Prüfung schaut auf das Alter. Im DGUV Grundsatz 314-003 gehört zum Beurteilungskriterium „Zustand“, dass das Alter von Fahrzeugteilen und Betriebsstoffen die vom Hersteller vorgegebene Nutzungsdauer nicht überschreitet. Herstellerangaben zur Nutzungsdauer bekommen damit auch im Arbeitsschutz Gewicht.
Bei jeder Reifenprüfung gehört das Alter mit auf die Liste. Der Reifenservice von RuhrTruck kontrolliert neben Profiltiefe, Luftdruck und Schadensbild auch das Reifenalter. Ist ein Reifen zu alt für seine Position, findet sich im Reifenhandel Ersatz mit achsspezifischem Profil für Lenk-, Antriebs- und Anhängerachse.
Glossar
- DOT-Nummer
- Reifenidentifikationsnummer nach US-Vorschrift, eingeleitet vom Kürzel DOT, das die Einhaltung der US-Sicherheitsnormen bestätigt. Sie endet mit dem vierstelligen Datumscode aus Produktionswoche und Produktionsjahr.
- Datumscode
- Die vier Ziffern, die das Herstellungsdatum angeben: zwei für die Woche, zwei für das Jahr. Für Reifen an Fahrzeugen über 40 km/h verlangt § 36 Abs. 7 StVZO die Datumsangabe, bei runderneuerten Reifen das Erneuerungsdatum.
- Geschwindigkeitskategorie L
- Kennbuchstabe für eine zulässige Höchstgeschwindigkeit von 120 km/h. Mindestens diese Kategorie verlangt die 9. Ausnahmeverordnung zur StVO für die Reifen von Tempo-100-Anhängern.
- Tempo-100-Zulassung
- Erlaubnis für Gespanne aus Pkw oder anderen Kraftfahrzeugen bis 3,5 Tonnen, auf Autobahnen und Kraftfahrstraßen 100 statt 80 km/h zu fahren. Die Voraussetzungen regelt die 9. Ausnahmeverordnung zur StVO; sichtbar ist sie an der Tempo-100-Plakette am Anhänger.
- Ozonrissbildung
- Feine Risse an der Gummioberfläche durch Ozoneinwirkung. Reifenmischungen enthalten Wachs als statisches Alterungsschutzmittel, das sie hemmt; Ozonquellen wie Elektromotoren gehören deshalb nicht ins Reifenlager.
Quellen
Abgerufen und geprüft am 4. Oktober 2026.
- § 36 StVZO: Bereifung und Laufflächen
- 9. Ausnahmeverordnung zur StVO (Tempo 100 für Gespanne)
- § 18 StVO: Autobahnen und Kraftfahrstraßen
- 49 CFR § 574.5: Tire identification requirements (US-Vorschrift, englisch)
- Michelin: Markierung der Michelin-Nutzfahrzeugreifen
- Michelin: Nutzung in Deutschland
- Michelin: Beratung zum Betrieb
- Bundesverband Reifenhandel und Vulkaniseur-Handwerk (BRV): Reifenkauf
- ADAC: Reifenalter
- Continental: Reifenalter
- DGUV Grundsatz 314-003: Prüfung von Fahrzeugen auf Betriebssicherheit, Januar 2023 (PDF)
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FAQ
Häufige Fragen
Wo steht das Herstellungsdatum auf einem Lkw-Reifen?
Das Herstellungsdatum steht als vierstellige Zahl auf der Reifenflanke, meist am Ende der DOT-Nummer. Die ersten beiden Ziffern nennen die Produktionswoche, die letzten beiden das Jahr; 4521 bedeutet 45. Woche 2021. Die Kennung steht oft nur auf einer Seite, bei Zwillingsrädern also unter Umständen auf der verdeckten Innenseite.
Wie alt dürfen Lkw-Reifen sein?
Ein gesetzliches Höchstalter für Lkw-Reifen gibt es in Deutschland nicht; vorgeschrieben sind die Angabe des Herstellungsdatums und die Mindestprofiltiefe von 1,6 Millimetern. Hersteller geben Empfehlungen: Michelin rät bei Lkw-Reifen zur jährlichen Fachprüfung ab dem fünften Jahr nach Inbetriebnahme oder acht Jahre nach Herstellung und dazu, Reifen ab zehn Jahren nicht mehr auf Lenkachsen einzusetzen.
Gilt die Sechs-Jahres-Regel auch für Lkw-Anhänger?
Nein. Die Regel stammt aus der 9. Ausnahmeverordnung zur StVO und gilt nur für Gespanne aus Pkw oder anderen Kraftfahrzeugen bis 3,5 Tonnen mit Tempo-100-Zulassung. Deren Anhängerreifen müssen jünger als sechs Jahre sein und mindestens die Geschwindigkeitskategorie L tragen. Für Lkw über 3,5 Tonnen mit Anhänger gilt die Ausnahme nicht, für sie bleibt es bei § 18 Abs. 5 StVO.
Wie alt darf ein neu gekaufter Reifen sein?
Nach Herstellerangaben, die der Bundesverband Reifenhandel und Vulkaniseur-Handwerk zitiert, behalten richtig gelagerte Reifen bis zu fünf Jahre ihre vollen Gebrauchswerteigenschaften; Verkauf und Montage sind technisch unbedenklich, die Nutzungsdauer ist dann aber begrenzt. Als fabrikneu gelten Reifen nach der Rechtsposition des Verbands bis zu einem Alter von drei Jahren.
Wie lagert man Lkw-Reifen richtig?
Trocken, temperiert und gut belüftet, geschützt vor direkter Sonne, mit Abstand zu Wärme- und Ozonquellen wie Elektromotoren oder Schweißgeräten und fern von Chemikalien. Für bis zu vier Wochen dürfen Reifen liegend gestapelt werden, höchstens 1,2 Meter hoch; länger lagern sie stehend in einer Lage auf Regalen, mindestens zehn Zentimeter über dem Boden. So empfiehlt es Michelin für Lkw- und Busreifen.
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